Chemische Beständigkeit von Elastomeren gemäß ASTM D471 – Analyse der Gummieigenschaften
Die chemische Beständigkeit von Elastomeren ist die Fähigkeit von Gummimaterialien, bei langfristigem Kontakt mit chemischen Substanzen ihre Stabilität ohne Verschlechterung der Eigenschaften zu bewahren. Chemisch beständige Materialien behalten ihre Gebrauchseigenschaften und bleiben unempfindlich gegenüber der zerstörenden Wirkung von Chemikalien. Sind Elastomere nicht ausreichend gegen die Einwirkung verschiedener Flüssigkeiten beständig, können sie aufquellen, verhärten, erweichen oder ihre mechanischen Eigenschaften (Zugfestigkeit, Dehnung) können sich verschlechtern, was sich unmittelbar in einer verkürzten Lebensdauer widerspiegelt.
Was ist die Norm ASTM D471?
ASTM D471 ist ein weltweit anerkannter Standardprüfverfahren, das zur Bestimmung des Einflusses verschiedener Flüssigkeiten wie Kraftstoffe, Öle und anderer chemischer Substanzen auf die Eigenschaften von Gummi dient. Die physikalischen Eigenschaften des Materials sind in vielen Industriezweigen von entscheidender Bedeutung, in denen Gummiprodukte schwierigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Der Kontakt mit Chemikalien kann kontinuierlich oder intermittierend erfolgen und sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Temperaturen auftreten.
Die Prüfung von Gummimaterialien ermöglicht es zu verstehen, inwieweit die Konzentration einer chemischen Substanz und die Betriebstemperatur darüber entscheiden, in welchen Branchen und Anwendungen ein bestimmter Elastomer eingesetzt werden kann. Prüfungen der chemischen Beständigkeit zeigen, mit welcher Bandbreite an Chemikalien ein Gummiprodukt in Kontakt kommen kann, um während der gesamten vorgesehenen Nutzungsdauer seine Haltbarkeit und Funktionalität zu erhalten.
Zweck und Bedeutung der Norm ASTM D471
Das Prüfverfahren ASTM D471 untersucht die Reaktion von Elastomeren auf den direkten Kontakt mit definierten Betriebsflüssigkeiten über einen längeren Zeitraum. Zu diesem Zweck werden Gummiproben verwendet. Unterschiedliche Prüfmethoden für Gummi ermöglichen es, das Verhalten des Gummimaterials in verschiedenen chemischen Umgebungen zu bestimmen. Die ASTM-D471-Prüfung der Gummieigenschaften standardisiert die Bewertung der chemischen Beständigkeit von Gummimaterialien, sodass jeder Anwender (Konstrukteur, Hersteller, Kunde) die Beständigkeit verschiedener Elastomere anhand derselben Kriterien überprüfen und vergleichen kann.
Hauptziele der Gummiprüfung nach ASTM D471:
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Bewertung der Materialverträglichkeit – Prüfungen der chemischen Beständigkeit dienen dazu festzustellen, ob eine bestimmte Elastomermischung der Einwirkung einer definierten Betriebsflüssigkeit über einen langen Zeitraum standhalten kann;
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Prognostizierte Gebrauchsdauer – Bewertung, wie chemische Einflüsse Veränderungen der Materialeigenschaften wie Quellung, Härte oder Zugfestigkeit nach dem Eintauchen in eine Flüssigkeit beeinflussen;
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Sicherstellung der Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit – die Prüfung von Gummimaterialien minimiert das Risiko von Ausfällen, Leckagen oder Schäden an Anlagen. Die Untersuchung der Gummieigenschaften bestätigt, dass ein bestimmter Elastomer einen stabilen, langfristigen und sicheren Betrieb in Umgebungen mit hoher chemischer Belastung gewährleistet.
Prüfverfahren ASTM D471 – Vorteile der Untersuchung von Gummieigenschaften
Vermeidung von Ausfällen und ungeplanten Stillständen
ASTM D471 als Verfahren zur Prüfung von Gummimaterialeigenschaften ermöglicht die Bewertung der Veränderungen physikalischer und mechanischer Parameter von Elastomeren, die über einen definierten Zeitraum einer bestimmten Flüssigkeit ausgesetzt sind. Das Verständnis darüber, wie unterschiedliche Chemikalien Materialien beeinflussen, reduziert erheblich das Risiko unerwünschter Leckagen, vorzeitiger Bauteilschäden, Systemausfälle sowie der damit verbundenen Kosten.
Erhöhung der Produkt- und Prozesssicherheit
Die Prüfung von Gummi nach der Norm ASTM D471 spielt eine wesentliche Rolle bei der Erhöhung des Sicherheitsniveaus von Gummiprodukten, insbesondere in Anwendungen, in denen sie mit aggressiven Chemikalien in Kontakt kommen. Eine sachgerechte und sorgfältige Materialauswahl für konkrete Anwendungen ist insbesondere dort von Bedeutung, wo Produktsicherheit eine zentrale Rolle spielt. Dies ist besonders wichtig in der Medizin-, Pharma- und Lebensmittelindustrie.
Verlängerung der Lebensdauer von Komponenten
Das Prüfverfahren ASTM D471 ermöglicht die Bewertung von Änderungen des Volumens, der Härte und der mechanischen Eigenschaften von Gummi (Rissbildung, Quellung, Verlust der Elastizität) nach Kontakt mit chemischen Substanzen. Dadurch können Gummimaterialien mit höchster Einsatzbeständigkeit ausgewählt und vorzeitige Alterungsprozesse begrenzt werden, was sich positiv auf die Lebensdauer der Komponenten und die Betriebskosten auswirkt.

Verfahren zur Prüfung der chemischen Beständigkeit von Elastomeren nach ASTM D471
Die Prüfung der chemischen Beständigkeit von Elastomeren nach ASTM D471 umfasst mehrere Schritte:
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Vorbereitung der Gummiproben – die Gummiproben werden gemäß den in der Norm ASTM D471 festgelegten Standardabmessungen vorbereitet. Sie besitzen definierte Abmessungen, Kennzeichnungen, Masse und Härte. Vor der Prüfung werden die Proben gereinigt und gewogen.
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Auswahl der chemischen Substanz – die Auswahl der jeweiligen Flüssigkeit hängt vom Verwendungszweck und Einsatzbereich des Gummiprodukts ab. Verwendet werden unterschiedliche Flüssigkeiten wie Kraftstoffe, Öle, Schmierstoffe, Hydraulikflüssigkeiten u. a.
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Prüfung (Eintauchen) – die vorbereiteten Proben werden unter kontrollierten Bedingungen in die Prüfflüssigkeit eingetaucht, einschließlich festgelegter Zeit und Temperatur.
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Messung – nach der Exposition werden die physikalischen Eigenschaften (Masse, Volumen, Härte) sowie die mechanischen Eigenschaften (Zugfestigkeit und Dehnung) im Vergleich zum Ausgangszustand analysiert.
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Bewertung und Berichterstattung der Prüfergebnisse – alle Veränderungen werden dokumentiert und bewertet, wobei besonderes Augenmerk auf wesentliche Änderungen der Spezifikation und Eigenschaften des Gummis gelegt wird.
Wie reagiert Gummi auf Chemikalien?
Das Prüfverfahren ASTM D471 stellt ein grundlegendes Instrument zur Bewertung des Einflusses chemischer Flüssigkeiten auf Gummieigenschaften wie Änderungen von Masse, Volumen, Härte oder mechanischen Eigenschaften dar. Die chemische Verträglichkeit ist einer der wichtigsten Parameter bei der Auswahl von Elastomeren für industrielle Anwendungen. Die Reaktionen von Elastomeren auf Chemikalien lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
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Diffusion und Quellung – das Eindringen fremder Substanzen in die Polymerstruktur des Gummis führt zu einer Volumenquellung, was u. a. eine Zunahme von Volumen und Masse, eine Abnahme der Härte sowie eine Verringerung der mechanischen Festigkeit zur Folge hat;
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Extraktion von Weichmachern – Weichmacher sind Zusatzstoffe, die dem Gummi während der Herstellung zugesetzt werden, um ihn weicher zu machen, seine Elastizität zu verbessern und die Härte des Endprodukts zu verringern. Die Extraktion tritt auf, wenn ein chemisches Medium (z. B. Lösungsmittel, Reinigungsmittel, heißes Wasser) aus dem Inneren des Gummis in die umgebende Flüssigkeit migriert. Dies führt u. a. zu einer Erhöhung der Härte, einem Verlust der Elastizität und Verformungsfähigkeit, Versprödung des Materials sowie Rissbildung;
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Chemische Reaktionen – es kann zu direkten chemischen Reaktionen zwischen dem Medium und dem Elastomer kommen, die chemische Bindungen destabilisieren und häufig zu dauerhaften und irreversiblen Veränderungen der Gummieigenschaften führen, wie z. B. einem erheblichen Anstieg oder Abfall der Härte, Verlust der Zugfestigkeit oder einer verkürzten Lebensdauer des Materials;
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Physikalische Veränderungen – der langfristige Kontakt von Gummi mit chemischen Substanzen führt häufig zu Änderungen der physikalischen Eigenschaften infolge von Störungen im Polymergefüge. Zu den am häufigsten beobachteten Veränderungen zählen u. a. eine Verringerung der Zugfestigkeit, der Verlust von Elastizität und Rückstellfähigkeit sowie eine verschlechterte Ermüdungsbeständigkeit bei langfristiger chemischer Exposition.
Es ist hervorzuheben, dass sich das Prüfverfahren nach ASTM D471 nicht ausschließlich auf die Beobachtung von Quellung oder Massenänderungen beschränkt. Ein wesentlicher Bestandteil der Bewertung der chemischen Beständigkeit ist der Vergleich der mechanischen Eigenschaften vor und nach der Exposition.
Wie verhalten sich Elastomere unter CIP/SIP-Bedingungen?
Die Bewertung der chemischen Beständigkeit von Elastomeren gegenüber CIP- (Clean in Place) und SIP- (Sterilize in Place) Prozessen ist in der Lebensmittel-, Molkerei-, Pharma- und Biotechnologieindustrie weit verbreitet.
In diesen Prozessen sind Elastomere dem Kontakt mit Reinigungs- und Sterilisationsmitteln ausgesetzt, darunter Detergenzien und Oxidationsmittel, heiße alkalische und saure Lösungen, Hochtemperaturdampf sowie zyklische Temperaturwechsel. Unter solchen Bedingungen wird häufig eine Quellung des Gummis beobachtet, oft verbunden mit einer Zunahme der Masse oder einer Veränderung der Härte, was zu Undichtigkeiten und Leckagen führen kann. Zudem wird bei wiederholten Zyklen eine schrittweise Abnahme der chemischen Beständigkeit festgestellt.
Daher ist bei CIP/SIP-Anwendungen die langfristige Beständigkeit gegenüber zyklischer chemischer und thermischer Beanspruchung sowie die richtige Auswahl der Elastomere (z. B. EPDM, FKM) für den jeweiligen Prozess von entscheidender Bedeutung.
Wie lassen sich Gummiprodukte wirksam vor chemischer Einwirkung schützen?
Um Gummiprodukte wirksam vor durch chemische Exposition verursachter Degradation zu schützen, ist die richtige Auswahl des Elastomers für die jeweilige Anwendung entscheidend. Jeder Gummityp weist eine unterschiedliche Beständigkeit gegenüber Ölen, Kraftstoffen, Säuren, Laugen oder Wasserdampf auf. Die Analyse der Einsatzumgebung hilft, das Risiko von Diffusion und Quellung, den Verlust von Elastizität und Rückstellfähigkeit sowie Materialdegradation zu reduzieren. Prüfungen der chemischen Beständigkeit gemäß ASTM D471 ermöglichen die Bewertung von Änderungen der Masse, des Volumens, der Härte und der mechanischen Eigenschaften. Es lohnt sich, Materialien zu vergleichen und Lösungen mit der höchsten chemischen Beständigkeit und Gebrauchsstabilität auszuwählen.
Bereits in der Phase der Entwicklung der Gummimischung sind ein geeignetes Vernetzungssystem sowie die richtige Auswahl von Füllstoffen und Weichmachern von großer Bedeutung, da sie die chemische Beständigkeit von Elastomeren verbessern können. Ebenso ist die Überwachung des Gummiverhaltens während des Betriebs wichtig, da sie eine frühzeitige Erkennung erster Degradationssymptome ermöglicht und Ausfällen vorbeugt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein wirksamer Schutz von Gummiprodukten vor chemischer Einwirkung auf der Kombination aus richtiger Materialauswahl, Prüfung von Gummimaterialien nach ASTM D471, Qualitätskontrolle sowie der Überwachung der Einsatzbedingungen beruht.
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